Gullni hringurinn | Teil 1 Þingvellir National Park

Dieser Beitrag ist Teil 2 von 2 der Serie Island - Im Land aus Eis und Feuer

Wir haben die erste Nacht erstaunlich gut geschlafen – trotz der Sonne die fröhlich vor sich hin geschienen hat (den Rollos sei Dank). Im Moment geht sie hier nur zwischen 1 und 3 Uhr morgens unter. Es gilt also die taghellen Nächte auszunutzen und sich fernab der Stoßzeiten die Sehenswürdigkeiten anzuschauen. So weicht man zumindest den Touristen aus, die mittels Reiseunternehmen an die verschiedenen Naturspektakel geführt werden. Es ist zum Beispiel kein Problem Abends um 23 Uhr an einem Wasserfall der Wahl zu halten – Öffnungszeiten gibt es hier nicht und genügend Sonne zum Fotografieren ist auch noch da. Das haben wir uns zwar nicht für heute aber für die nächsten Unternehmungen vorgenommen.

Þingvellir National Park

Þjónustumiðstöð

Wir beginnen unsere Tour mit dem Þingvellir National Park. Vor dem Besuch der recht gut ausgebauten Strecke nordwestlich vom See Þingvallavatn, ging es nördlich davon nach Þjónustumiðstöð. Þingvallavatn setzt sich übrigens aus “Þing” (Parlament), “valla” (Gemeinde) und “vatn” (Wasser) zusammen. Wieso “Parlament”? Dazu kommen wir noch.

Hier gibt es eine Touristen-Information mit einem kleinen Parkplatz. Nicht mal 5 Minuten entfernt liefen wir zu einer begehbaren Spalte die durch das Auseinanderdriften der amerikanischen und eurasischen Erdplatte entstanden ist. In Island werden diese Risse Gjá genannt.

Die Schlucht hat eine eher geringe Höhe, sodass Mutige auch mal vorsichtig und mit dem richtigen Schuhwerk ein Stück hinauf klettern können. In den Felsen erkennt man häufig Gesichter, sodass wir hier, trotz Nieselregen, eine unterhaltsame Wanderung erlebt haben. Die Schlucht verläuft weiter bis zum Þingvellir National Park. Sie unterbricht sich zwischendurch und sinkt auf dem Weg dorthin immer mal wieder unter die Grundwassergrenze, sodass man ihr nur einen Teil in Richtung Þingvellir folgen kann. Am See Þingvallavatn gibt es aber geführte Tauch- oder Schnorchelgruppen die dort ansetzen, wo passionierte Gummistiefelträger nicht weiter kommen ;).

Þingvellir

Weiter geht es mit dem Auto, näher an die Þingvellir Attraktionen heran. Da wir zu Fuß gut unterwegs sind, parken wir nicht auf einem der großen Parkplätze in der Nähe, sondern fahren links am P5 Platz vorbei weiter am See entlang. Zugegeben, wir sind auf gut Glück weiter gefahren, da es auf den großen Parkplätzen überfüllt war. Am Ende der Straße haben wir dann doch einen kostenlosen, kleineren Parkplatz gefunden (zumindest war er das als wir dort waren).

Es geht zu Fuß also weiter in Richtung Wasserfall. Wir sehen immer wieder niedliche Gänse auf kleinen Inseln und am Ufer des Sees, die sich von den Touristenmengen nicht stören lassen. Sie (sowohl die Gänse als auch die Touristen) werden uns hier in Þingvellir permanent über den Weg laufen.

Bereits von Weitem hören wir das verdächtige Rauschen eines Wasserfalls und halten darauf zu. Auf dem Weg dorthin passieren wir die Stelle an der besagte Schnorchel- und Tauchführungen angeboten werden. Lustig dabei ist, dass es ein extra Straßenschild gibt welches Autofahrer darauf hinweist, dass Taucher jederzeit über die Straße watscheln können. Taucher, das Rotwild des Þingvellir National Parks.

Als erstes entdecken wir die ersten beiden Wasserfälle die wir aus der Nähe betrachten können. Die Namen sind mir nicht bekannt. Zwischen ihnen ist das Drekkingarhylur – das “Ersäufbecken” in dem zwischen 1590 und 1749 Frauen als Todesstrafe ertränkt wurden (Männer wurden übrigens gehängt oder enthauptet)[Quelle]. Man läuft auf einer Brücke quasi direkt über einen der Wasserfälle hinweg. Wir waren natürlich total beeindruckt von diesen eher kleinen Exemplaren. Umso toller war es dann, als wir endlich bei dem Öxarárfoss angekommen waren.

Auf dem Rückweg kommen wir an einer Aussichtsplattform mit Blick auf den Lögberg (der „Gesetzesberg“) vorbei. Zufällig lauschen wir hier einer Führung, die uns zwar kurzzeitig die tolle Sicht nimmt, dafür werden wir mit ein paar interessanten Infos über den Lögberg und Þingvellir entschädigt, während wir uns einen kleinen Snack gönnen.

Und zwar wurde sich hier jährlich zum Althing getroffen – eine landesweite Versammlung bei der Rechtsstreitigkeiten und Gesetze diskutiert wurden. Man sagt, dass das Althing somit als erste Art eines europäischen Parlaments gelten kann. Unter anderem wurde auch hier vor knapp 1000 Jahren über die Religionswahl abgestimmt, was dazu führte, dass die Wikinger dann den christlichen Glauben annahmen (zumindest nach außen hin). Das sicherte den Frieden mit den anderen, christlichen Europäern.

Mehr Infos dazu gibt es zum Beispiel hier oder bei einer Suchmaschine deiner Wahl ;) .

Weiter gehts zur Þingvallakirkja – einer kleinen Kirche mit einem Häuserkomplex nebenan. Auch der dazugehörige kleine Friedhof ist einen genaueren Blick wert.

 

Zwischendurch kommen wir immer wieder an den Gja’s vorbei, die hier mit Wasser gefüllt sind. Leider haben nicht nur die Enten überall ihre Hinterlassenschaften verteilt – auch Mengen an Touristen waren der Meinung die kristallklaren Seen zwischen den Felsspalten mit ihren Münzen zu überhäufen.

 

Nun laufen wir wieder südlich Richtung Parkplatz, halten uns aber rechts und laufen den Massen hinterher, unten an einer der Klippen hinauf. Oben angekommen bietet sich uns ein phänomenaler Ausblick. Die Wolken sind fast komplett verschwunden, wir können den See und Þingvellir in seiner vollen Größe überblicken. Wir sehen die weiten Berge und Schwefelschwaden an ihnen aufsteigen, während uns ein ordentlicher Wind die Haare zerzaust.

Zurück beim Auto gehts weiter mit dem nächsten Beitrag zum Golden Circle: Der Geysir.


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